Schaarhörn - die Perle im Hamburger Hafen



Schaarhörn: Sie qualmt, dampft, keucht und stampft…  und dennoch gleitet sie stets anmutig und würdevoll über die Elbe.



Gemeint ist die wunderschöne und bereits über 105 Jahre alte Lady Schaarhörn, welche sich im Hamburger Hafen und weit über dessen Grenzen hinaus an großer Beliebtheit erfreut.

Stellt es euch vor: Es ist ein warmer, sonniger Frühlingstag und ihr steht am Hamburger Hafen. Eure Blicke schweifen über´s Wasser, ihr genießt den Ausblick und die besondere Hafenatmosphäre.  Da kommt sie plötzlich majestätisch auf euch zu – die Schaarhörn.  Sofort packt es euch, dies wundervolle Gefühl von Wehmut und Fernweh gemischt mit freudigen Herzklopfen und einem wohligen Kribbeln  im Bauch, welches dem von Schmetterlingen beim Verliebtsein sehr ähnelt. „Hach“, denkt ihr… „Könnte ich doch nur jetzt auf der Schaarhörn sein!“

Wie bitte? Ihr kennt das Gefühl nicht? Ihr habt noch nie die elegante, weiße Schaarhörn mit ihren filigranen, goldenen Verzierungen am schlanken Bug gesehen? Noch nie den markanten Geruch des Rauches der Steinkohle wahrgenommen, noch nie das das unverkennbare Geräusch der Dampfpfeife gehört, welche das starke Fernweh auslöst und euer Herz höher schlagen lässt und ihr seid noch nie auf der einzigartigen Schaarhörn mitgefahren?

Das solltet ihr aber sehr bald nachholen! Ab Ende April bis voraussichtlich Ende Oktober ist die Schaarhörn wieder aktiv! Ihr könnt in diesem Zeitraum spezielle Fahrten (Traditions- und Revierfahrten auf der Elbe bis nach Brunsbüttel, Cuxhaven oder durch den Nordostseekanal nach Kiel oder Flensburg) für gesamte Gruppen als Charter oder Einzeltickets  auf dem  prächtigen Schiff buchen. Selbstverständlich bietet die Schaarhörn auch über die Wintermonate einiges an Attraktionen, doch dazu gibt es mehr Details am Ende des Artikels. Erst möchten ich euch noch ein wenig selbst über die Schaarhörn erzählen.

Einst, um genau zu sein im Jahre 1908, erblickte die Schaarhörn das Licht der großen weiten Welt auf der damaligen kleinen Werft Janssen & Schmilinksky in Hamburg-Steinwerder. Damals schon war das Thema Elbvertiefung ebenso aktuell wie heutzutage.  Aus diesem Grunde wurde die Schaarhörn gebaut, als sogenanntesPeil- und Bereisungsschiff“.

Mit damaliger modernster Technik ausgestattet war es Aufgabe des Schiffes Vermessungsarbeiten im Elbbereich vorzunehmen und gleichzeitig die Eimerkettenbagger zu führen.  Der Hamburger Senat bewilligte den Bau und zahlte dafür glatte 183.000 Goldmark. Doch damit nicht genug. Nicht ganz uneigennützig verlangte der Senat, dass die Schaarhörn  ihm zugleich als Präsentationsschiff dienen sollte. Schließlich war das damalige Staatsoberhaupt Kaiser Wilhelm II. sehr oft in Hamburg. Dieser musste natürlich gebührend „kaiserlich“ durch den Hamburger Hafen kutschiert werden und die Herren Senatoren ebenfalls entsprechend „herrschaftlich“ zur Kieler Woche fahren können. Somit war es selbstverständlich, dass dies Schiff mit einem Luxus ausgestattet wurde, den zuvor und danach kein „Arbeits“-Schiff  dieser Kategorie jemals aufweisen konnte.  Für die Luxuserweiterung wurden weitere 30.000 Goldmark nachgefordert und ebenfalls bewilligt. Es existiert jedoch keinerlei Nachweis, dass der Kaiser jemals an Bord gewesen war.

Als das Schiff in den Dienst gestellt wurde, flog der gesamte eigennützige „Mauschelkram“ des Hamburger Senats auf. Es folgte ein großer Finanzskandal, aber die Schaarhörn war bereits vollständig fertig gebaut und sehr luxuriös ausgestattet.

So musste das Schiff, fast wie eine Strafe, seine vorgesehenen Aufgaben fortan überwiegend in Cuxhaven verrichten und wurde von

1914 – 1918 als Führerboot in den Minensuchdienst eingesetzt. Berühmte Persönlichkeit, die dort  in der Hilfs-Minen-Such-Division ihren Dienst absolvierte,  war der Poet Joachim Ringelnatz.

Von 1919 – 1925 gab es für die Schaarhörn keine Aufgaben und so lag sie einige Jahre untätig in Cuxhaven oder Hamburg.

Ab 1926 wurde das Schiff wieder für Peildienste eingesetzt und verrichtetet ebenfalls in der Zeit
von 1933 bis Jahresbeginn 1945 seinen Dienst, nur diesmal mit Hakenkreuz und Reichsadler am Bug versehen. In den letzten Monaten des 2. Weltkrieges wurde dann das Schiff nach Swinemünde verlegt und holte von dort aus, sowie auch u.a. die STETTIN und ALEXANDRA, viele Flüchtlinge aus dem Danziger Bereich in den Westen.

Ab 1949 nahm die Schaarhörn wieder die regulären Peildienste auf und wurde dann 1971 in Cuxhaven außer Dienst gestellt. Das Schiff entging zwar damals durch Bürgerproteste der sofortigen Verschrottung, jedoch ging ein privater Kauf mit dem Gedanken an ein Museum finanziell und somit gründlich daneben.

Es folgte 1973 der Verkauf an den Schotten Keith Schellenberg, welcher nach geraumer Zeit die Lust am Schiff und an seinen Plänen verlor.  So geschah es, dass die Schaarhörn noch mehrfach ihre Besitzer wechselte und bis 1987 in England ziemlich verkam.

Wiederentdeckt durch den Hamburger Kapitän Joachim Kaiser und dessen Organisation der „finanziellen Rettung“ wurde das Schiff mit dem Frachter CONDOCK III in die Heimat nach Hamburg befördert. Dort wurde es 1990 einem erstaunten Publikum zum Hafengeburtstag präsentiert.

Von 1990 – 1995 wurde die Schaarhörn vom Projekt „Jugend in Arbeit“  vollständig restauriert und anhand (glücklicherweise) vorhandener Pläne auch rekonstruiert.

Mein TIPP:
Ausführliche und mit viel Liebe recherchierte Hintergrundinformationen zum Schiff sowie tolle Erklärungen zum Thema Seefahrt allgemein findet ihr hier:

Facebook: Dampfschiff-SCHAARHÖRN-Heimathafen-Hamburg


Schiffsdaten:

Schiffsart:  Stählernes Dampfschiff mit 2 Schrauben
Baujahr, Werft:  Janssen & Schmilinski, Hamburg
Länge, Breite, Tiefgang: 41,66m x 6,80m x ca. 3m
Antrieb: 2 Dreifach-Expansions-Dampfmaschinen, je 412 PSi
Kessel:  Kohlebefeuert, 186 m² Heizfläche
Schrauben: 2x zu je 2m Durchmesser

Liegeplatz:

Dezember bis März:  Sandtorhafen/Traditionshafen in der HafenCity
April bis November: Norderelbstraße neben dem Theater im Hafen (König der Löwen)

Na? Ich bin sicher ihr könnt es nun kaum abwarten einmal auf der Schaarhörn mitzufahren und möchtet gern etwas Unvergessliches erleben, richtig?

Dann aber los! Erlebt alte Technik im Original, besichtigt die Betriebsräumlichkeiten und legt (symbolisch gesehen) mit Hand an beim Auflegen der Kohle im Kessel, steuert das wundervolle alte Schiff unter der Leitung des Kapitäns (wenn die Verkehrslage es zulässt) und seht zu wie die Maschinen bedient werden. Oder lasst  ganz einfach eure Seele baumeln und genießt nur die Fahrt, so wie ihr es euch wünscht!

Die Schaarhörn ist eines der schönsten Hamburger Traditionsschiffe und heutzutage nach modernen Sicherheitskriterien ausgerüstet ohne dabei die alte Substanz und den Charme des Schiffes zu entwürdigen. An Bord ist für euer leibliches Wohl gesorgt denn es gibt eine Bar mit warmen und kalten Getränken  sowie Bier aus der Zapfanlage. Speisen werden aus der Kombüse heraus je nach Tageszeit angeboten

Nähere Informationen zu den Themen
Mitfahren, Chartern, Feiern sowie Veranstaltungen in den Wintermonaten
erhaltet ihr unter:

Stiftung Hamburg Maritim, Charterbüro
Australiastrasse, Schuppen 52a
20457 Hamburg
Tel.: 040 – 78 08 17 05
Mail: info@stiftung-hamburg-maritim.de
Online-Buchung: www.stiftung-hamburg-maritim.de

Informationen zum Schiff selbst:
Web: www.schaarhoern.de

 

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